LesArt.Preis der jungen Literatur der Sparkasse 2008

Der diesjährige LesArt.Preisträger heißt Benjamin Brand

Ein herzliches Dankeschön an alle Einsender!

Aus einer Fülle von Einsendungen hat die fünfköpfige Jury aus Vertreterinnen und Vertretern des Vereins für Literatur, der TU Dortmund Abteilung Kulturwissenschaften/Germanistik, der Sparkasse Dortmund und des LesArt.Festivals in diesem Jahr dem Beitrag von Benjamin Brand den LesArt.Preis der jungen Literatur zuerkannt.

Angesichts der herausragenden Qualität von drei weiteren Einsendungen der Autor/innen Mathias Maertin, Christina Meissner und Nina Portnoy ist die Auswahl der Jury nicht leicht gefallen - zumal die literarischen Ansätze, Inhalte und Schreibweisen jeweils ganz unterschiedlich, doch mit einer anerkennenswerten literarischen Qualität umgesetzt worden sind. Die Jury hatte die Qual der Wahl, aber ganz besonders die Freude des Lesens. Wir danken allen Einsenderinnen und Einsendern für ihre Texte. Ganz besonders erwähnen möchten wir, dass in diesem Jahr eine ganze Reihe Texte von ganz jungen Nachwuchsautorinnen eingesandt wurden. Von denen halten wir den Text von Franziska Jürgens "Fehlende Bilder" für besonders erwähnenswert.

Wir sind sicher, dass – wie in der kurzen, aber schönen Geschichte des LesArt.Preises der jungen Literatur – diejenigen, die in diesem Jahr nicht mit dem Preis ausgezeichnet werden konnten, weiter schreiben und ihren Weg in die literarische Öffentlichkeit finden werden – vielleicht auch beim nächsten LesArt.Preis der jungen Literatur. Dazu wünschen wir ihnen viel Glück.

 

Benjamin Brand gewinnt mit seinem Text "Marginalien"

Benjamin Brands Text "Marginalien" hat den LesArt. Preis der jungen Literatur gewonnen, weil er in meisterlicher Übertreibung den Begriff der Marginalie, des kommentierend an den Rand Geschriebenen, nur am Rande Bedeutenden und den Begriff des kommentierten erzählerischen – eigentlich bedeutungsvollen – Inhalts in einem spielerischen – beim Leser Schwindel und Staunen erregenden – Prozess auf die Spitze treibt

Dieser Text selbst provoziert wiederum so viele Marginalien bei seinen Lesern, dass die Jury eigentlich einen Layout-Gestaltungswettbewerb zur seiner satztechnischen Umsetzung ausschreiben möchte.

Die Jury hat mit der Entscheidung für diesen Text auch dem in der literarischen Öffentlichkeit nicht immer im Vordergrund stehenden Genre der literarischen Artistik in Inhalt und Form die ihm zustehende Beachtung schenken wollen. Wir freuen uns, dass wir in "Marginalien" ein Beispiel dieses Genres haben, das den LesArt.Preis der jungen Literatur verdient.

Die Jury des LesArt.Preises der jungen Literatur

 

»Hummer jonglieren...«

»Penelope Shuttle, eine sehr bekannte britische Lyrikerin, saß 1994 in der Jury des Arvon Poetry Wettbewerbs, einer der größten weltweiten Lyrikwettbewerbe, und antwortete u.A. auf die Frage nach Ihren Kriterien zur Auswahl eines Textes, dass für sie ein Text "auf einem Trampolin springen und dabei mit lebendigen Hummern jonglieren" müsse. Dieses Bild hat sich mir, als ich damals davon las, besonders eingeprägt, enthält es doch geanu die Qualitäten, die auch wir als Jury an einem Text besonders schätzen.

Das heißt also, wer die Nerven hat, sich an dieses Kunststück heranzuwagen, der muss Sinn für das Ungewöhnliche, das Originelle haben, der muss bereit sein, Risiken einzugehen. Er muss aber auch einen Sinn für Humor, Timing und Präzision haben und die Geduld aufbringen, immer wieder an dem Kunststück zu arbeiten, es zu üben, bis jeder Handgriff richtig sitzt – es spielen also nicht nur die Artistik mit Kraft, Balance, Konzentration, sondern auch insbesondere Handwerk und Fingerfertigkeit eine wichtigen Rolle. Gleichzeitig ist das Bild auch witzig, wir wünschen uns vom Urheber also eine gehörige Portion Humor.

Genau dies beinhaltet der Text "Marginalien" von Benjamin Brand.
Ungewöhnlich/Originell: "Marginalie (von lateinisch margo Rand, marginalis zum Rand gehörig) bezeichnet man im Buch- und Handschriftenwesen eine auf den Rand eines Textes geschriebene Bemerkung, die eine Kommentar, einen Hinweis (z.B. Querverweis oder Quellenangabe) oder eine Korrektur zu einer Stelle des Textes bietet. ... eine wertvolle Hilfe zum Verständnis ..."
Humor: Brand hat das Prinzip der Marginalie dermaßen auf die Spitze getrieben, dass der Text im Grunde nur aus Bemerkungen besteht.
Artistik: Das Kunststück besteht darin, dass obwohl er das Verhältnis zwischen dem Kommentar und dem zu kommentierenden Text völlig auf den Kopf stellt, es ihm gelingt, einen kohärenten Text zu schreiben, der seinen Lesern zwar mögliche Antworten auf die Frage nach dem Schreibprozess – wer ist dieses ICH? was bedeutet SCHREIBEN? – anbietet, gleichzeitig jedoch eine ganze Reihe neuer Fragen, oder wenn Sie wollen, neuer Marginalien provoziert, und so zum Weiterdenken anregt.
Timing/Präzision: Benjamin Brands Text ist sprachlich außergewöhlich elegant geschrieben und gut organisiert, beides kann man nur erreichen durch sehr viel Übung, die eine Grundvoraussetzung auch dieses Handwerks ist und nur so gelingt ihm auch die Fingerfertigkeit.

Herlichen Glückwunsch, Benjamin Brand!«

Claudia e. Kraszkiewicz
für die LesArt.Preis 2008 Jury

 

LesArt.Preis 2007


 


Benjamin Brand und Franziska Jürgens


Benjamin Brand wurde 1981 in Hamm geboren und studiert seit 2001 an der TU Dortmund angewandte Literatur- und Kulturwissenschaften. Neben dem Studium sammelte er journalistische Erfahrungen bei lokalen und regionalen Print- und Rundfunkmedien. Bald stellte sich jedoch heraus, dass Brand vielmehr im Fiktiven denn im Faktischen zu Hause ist. Als Konsequenz konzentrierte er sich auf das Studium der deutsch- und englischsprachigen Literaturwissenschaft und führte seine in der frühen Schulzeit wurzelnden Schreibversuche kontinuierlich fort. Zwischen 2002 und 2006 trat er regelmäßig als Slam-Poet im Ruhrgebiet und in Ostwestfalen auf. Außerdem ist er Mitglied des Dortmunder Autoren- und Autorinnenkollektivs DAuKo.


>>> Der LesArt.Preis-2008-Text "MARGINALIEN" als PDF-Download


 

 

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